Loggen Sie sich ein, um alle Funktionen nutzen zu können.


Wissen

Beschreibung

Im Gegensatz zum Begriff der Information hat der Begriff Wissen nicht annähernd die gleiche Aufmerksamkeit in der betriebswirtschaftlichen Literatur, mit Ausnahme des Bezugs zu wissensbasierten Systemen, erfahren. Wissen wird bezeichnet als die zweckorientierte Vernetzung von Information: „Wissen besteht aus vielen Informationen; ist eine Anhäufung ('Menge') ideeller Modelle...“ (Steinmüller 1993, S. 236). Es stellt die Abbildung (externer) realer Verhältnisse, Zustände und Vorgänge auf (interne) Modelle von der Außenwelt dar, über die ein Individuum oder eine Organisation verfügt (Strohner 1990, S. 215ff.). Diese Modelle lassen sich in sprachliche Ausdrücke, formal in Aussagen, fassen, die etwas über die Realität behaupten. Die Aussagen haben die Form von Sätzen, die ihrerseits wiederum durch Zeichen dargestellt und als Daten gespeichert werden können. Während Information als Kenntnis über Sachverhalte bezeichnet werden kann, ist Wissen begründete Kenntnis, im Gegensatz zur Meinung (als etwas Vorläufigem, Unbegründeten) und zum „Glauben“ (Mittelstrass 1990, S. 52). Die zweckorientierte Vernetzung von Information erfordert Kenntnisse darüber, in welchem Zusammenhang die Informationen zueinander stehen und wie diese sinnvoll vernetzt werden können, um dem damit verfolgten Zweck zu genügen.

Wissen ist wie Information ein Modell: Wissen ist „Wissen-wovon-für wen-wozu“ (Steinmüller 1993, S. 236). Daraus folgen, in Analogie zu Information, einige Aussagen (Steinmüller 1993, S. 237). (1) Wissen ist stets nur eine modellierte Wirklichkeit und ist damit immer nur Wissen über etwas oder jemanden. (2) Wissen ist stets immer nur Wissen des Wissenssubjektes, das das Wissen ausgewählt und unter Einflußnahme seines Blickwinkels transformiert hat - Wissen ist subjektrelativ und perspektivisch. Es muß darum davon ausgegangen werden, daß Wissen über beliebige Objekte prinzipiell immer unvollständig ist. (3) Wissen ist stets Wissen für einen Zweck, das ein Wissenssubjekt für diesen einen Zweck umgeformt hat. Wissen ist normalerweise nur für den ursprünglichen Zweckbereich gültig und außerhalb dessen nur eingeschränkt brauchbar - Wissen ist zweckrelativ. (4) Wissen hat keinen absoluten Wert, sondern stets nur einen „Wert-für-jemand“ (Steinmüller 1993, S. 237). Wissen ist allerdings nicht ganz ohne Wert, sondern wenn bekannt ist, was wann wofür und für wen von welchem Wert ist, durchaus kostbar. (5) Francis Bacon hat behauptet: „Wissen ist Macht“. Hierzu ist anzumerken (Steinmüller 1993, S. 463): Das Modellsubjekt kann zwar die Adressaten beeinflussen, muß aber nicht: „Wissen ist nicht Macht, sondern ermöglicht Macht.“

Demnach ist Wissen subjekt-, zweckrelativ, perspektivisch und setzt die Kenntnis seiner Herkunft voraus. „Wissen ist zweckrelativ, kontext- und aspektabhängig, verhaltensrelevant, deshalb nie in einem schlichten Sinn ‘objektiv’.“ (Steinmüller 1993, S. 237). Das bedeutet, daß bei der Verarbeitung von Wissen immer alle Rahmenbedingungen betrachtet werden müssen, um Interpretationsfehler zu minimieren.

 

  • Mittelstrass, J., Gestörte Verhältnisse? Zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von Wissenschaft. In: Schuster, H.J. (Hrsg.), Handbuch des Wissenschaftstransfers, Berlin 1990, S. 52.
  • Steinmüller, W., Informationstechnologie und Gesellschaft: Einführung in die Angewandte Informatik, Darmstadt 1993.
  • Strohner, H., Information, Wissen und Bedeutung. In: Weingarten, R. (Hrsg.), Information und Kommunikation, Frankfurt/M. 1990.

 

Zitiert nach:

Rehäuser, Jakob/Krcmar, Helmut: Wissensmanagement im Unternehmen, 5f. http://wwwkrcmar.informatik.tu-muenchen.de/lehrstuhl/publikat.nsf/ff45643437394bdc41256609006259fe/fc0f0ec41403ef3d412566500029c4a5/$FILE/96-14.pdf (11.03.2012)

Projekte und Fokusgruppen zum Thema Wissen

Projektlogo

Benutzer, denen das Thema Wissen gefällt

Dominik Böhler

Publikationen zum Thema Wissen

2010

2009

2006

2005

2004

2003

2002

2000