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Work-Life-Balance

Beschreibung

Übersetzt man die einzelnen Wörter des englischen Fachterminus Work-Life-Balance in die deutsche Sprache, so bedeuten diese Arbeit, Leben, Ausgeglichenheit. Man kann also von einem Ausgleich von Beruf und Privatleben sprechen und somit von einer Vereinbarkeit dieser beiden Bereiche. Wenn keine Vereinbarkeit der beiden Bereiche besteht, so kann der Terminus Work-Life-Balance auch als Spannungsfeld zwischen Beruf und Privatleben aufgefasst und bezeichnet werden. Sowohl aus einer negativen wie auch einer positiven Perspektive betrachtet, handelt es sich bei der Work-Life-Balance stets um einen Zusammenhang von beiden Lebenswelten, der Lebens- und der Arbeitswelt, in die Individuen in ihrem Alltagsleben eingebunden sind.

Eine Balance oder Vereinbarkeit beider Lebensbereiche ist für das Individuum wichtig, um dauerhaft gesund und mit sich und der Umwelt im Einklang zu sein und einen Sinngehalt in seinem Leben erkennen zu können. Ohne Ausgewogenheit wird der Mensch auf Dauer psychisch und physisch krank.[..] Da eine Trennung von Arbeit und Leben, also auch von (Erwerbs)-Arbeit und Freizeit aber problematisch erscheint, sprechen beispielsweise Hoff et al. statt von Work-Life-Balance vom Verhältnis von Berufs- und Privatleben. [..] Letzteres umfasst damit auch die unbezahlte Arbeit in Haushalt und Familie als Teil beider Hauptlebenssphären.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend definiert Work-Life-Balance folgendermaßen:

»Work-Life-Balance bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt. Betriebliche Work-Life-Balance-Maßnahmen zielen darauf ab, erfolgreiche Berufsbiografien unter Rücksichtnahme auf private, soziale, kulturelle und gesundheitliche Erfordernisse zu ermöglichen.« [..]

Eine Definition mit einem etwas anderen Blickwinkel auf Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben formuliert Schmoldt:

»Wenn Menschen eine Balance zwischen dem Arbeitsleben und dem Leben außerhalb der Arbeitswelt anstreben, sei es in der Familie, in einer partnerschaftlichen Beziehung oder für politisches, soziales oder kulturelles Engagement, so geht es ihnen um ein sinnvolles Leben, das nicht allein durch die Arbeit erfüllt wird.« [..]

Arbeit ist nach Schmoldt für den Menschen ein wichtiger, sinnerfüllender Lebensbereich, der Anerkennung vermittelt und den Lebensunterhalt sichert. Aber seiner Meinung nach kann eine Balance zwischen Beruf und Leben ebenso sinnerfüllend sein.[..]

Wir möchten den Begriff noch etwas weiter fassen und den Begriff Work-Life-Balance unter eine ganzheitliche Betrachtungsweise stellen:

»Work-Life-Balance heißt: den Menschen ganzheitlich zu betrachten (als Rollen- und Funktionsträger) im beruflichen und privaten Bereich (der Lebens und Arbeitswelt) und ihm dadurch die Möglichkeit zu geben, lebensphasenspezifisch und individuell für beide Bereiche die anfallenden Verpflichtungen und Interessen erfüllen zu können, um so dauerhaft gesund, leistungsfähig, motiviert und ausgeglichen zu sein.« [..]

Nach dieser Definition wird der Mensch individuell nach seinen Rollen und Funktionen in den beiden Bereichen Beruf und Privatleben betrachtet. Individuell heißt hierbei, dass jeder Mensch durch seine genetische und sozialisatorische Bestimmung einzigartig im Rollen- und Funktionsgefüge der Bereiche handelt, interagiert und reagiert. Neben dem individuellen Verhalten und Handeln innerhalb der Rollen und Funktionen beider Bereiche ist der Aspekt der Lebensphasenorientiertheit mit zu beachten. Lebensphasenorientierung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass während eines Lebens unterschiedliche Lebensphasen ablaufen, beispielsweise Ausbildung, soziale Bindung (Heirat/Partnerschaft) oder auch bestimmte Karriere- und Berufsverläufe. Zusammenfassend beschreibt diese Definition, dass der Mensch nur im Einklang mit sich und der Umwelt ist, also gesund, ausgeglichen, leistungsfähig und motiviert, wenn sich die individuellen Interessen, Bedürfnisse, Aktivitäten und Verpflichtungen je nach der Lebensphase, in der sich das Individuum befindet, mit der Lebens- und Arbeitswelt verbinden lassen und sich damit eine Balance herstellen lässt. [..]

Dabei wird in einer ganzheitlichen Perspektive der Mensch nicht nur als Rollen- und Funktionsträger innerhalb der Arbeitswelt betrachtet, sondern innerhalb der Lebens- und der Arbeitswelt. Die Rollen und Funktionen des Individuums in beiden Bereichen sind somit nicht losgelöst voneinander zu betrachten, um eine Balance zwischen beiden Bereichen herzustellen, in denen das Individuum in seinen Rollen und Funktionen interagiert. [..]

In einer systemischen Auffassung bedeutet Balance, dass der Mensch nicht losgelöst und isoliert von Strukturen innerhalb der Gesellschaft lebt, sondern innerhalb eines Systems, das unterschiedliche Subsysteme besitzt, die alle eine bestimmte Struktur und Funktion zu erfüllen haben und sich in einer Ursache-Wirkung-Kette bedingen. Das Individuum hat innerhalb dieser Subsysteme verschiedene Rollen und Funktionen zu erfüllen, um für sich eine Balance und einen Lebenssinn herzustellen. [..] Unter dieser ganzheitlichen und systemischen Perspektive wird Work-Life-Balance hier betrachtet.

Dies bedeutet, dass der Mensch nur in Balance ist, wenn er zwischen den einzelnen Subsystemen innerhalb der Lebens- und Arbeitswelt nicht mit seinem Rollen- und Funktionsgefüge in Konflikt steht. Das heißt bezogen auf Work-Life-Balance, dass die Rollen und Funktionen im Bereich der Lebenswelt mit denen der Arbeitswelt im Einklang stehen sollen.

Insgesamt geht es bei dem Konzept Work-Life-Balance darum, ein Gleichgewicht zwischen zwei Variablengruppen zu finden, wobei das Gleichgewicht in der heutigen Realität wahrscheinlich nicht bei einer 50:50-Gewichtung zu finden ist, sondern in einer besseren Vereinbarkeit der unterschiedlichen Interessen in der Arbeits- und der privaten Situation. [..]

 

Zitiert nach:

Michalk, Silke / Nieder, Peter: Erfolgsfaktor Work-Life-Balance. Weinheim 2007, 21ff. Hier nach http://www.wiley-vch.de/books/sample/3527502734_c01.pdf (Stand 01.03.2012)

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